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Die Restaurierung des Junker-Schilling-Epitaphs in Kottenheim

 

IM IAER UNS HEREN 1539 OF DEN ACHTEN DAG MARTII STARB DER EDEL UND GESTRENGE  JONCKER JONCKER CONRAD SCHILLINCK VAN LAINSTEIN DEM GOT GNAIT AMEN

 

Das ist die Inschrift die sich auf dem Epitaph des Junker Konrad Schilling von Lahnstein befindet.

Junker Schilling Epitaph nach der RestaurierungDer Epitaph selber besteht aus Tuffstein, ist ca. 210 cm hoch und 96 cm breit. In einer Rahmung steht der Verstorbene, in Rüstung und in Lebensgröße. In seinen gefalteten Händen hält er den Rosenkranz.

Oben sehen wir die Wappen der Adelsgeschlechter  „von Lahnstein“ und „von Kottenheim“, unten die Wappen „von-der-Leyen“ und „von Riedt“ – diese Wappenschilder stellen den Stammbaum des Junker Konrad dar. Die Mutter von Konrad war Margarethe von Kottenheim die mit Daniel Schilling von Lahnstein verheiratet war.

Wohl nur durch glückliche Zufälle hat sich dieser Epitaph als einziges Zeugnis dieser Epoche bis heute in der Kottenheimer Pfarrkirche St. Nikolaus erhalten.

Ob sich der Epitaph schon immer in der Kottenheimer Pfarrkirche befunden hat und ob Junker Schilling tatsächlich in Kottenheim begraben liegt ist strittig.

Es gibt sowohl Vermutungen das die Grabplatte sich ursprünglich im Kloster Maria Laach befunden haben soll (vgl. Walter Lung: „Ein Dorf und seine Landschaft“ - Seite 97) – währenddessen  der Mayener Gerichtsschöffe  Meesen in seiner „Beschreibung des Amtes Mayen“ aus dem Jahr 1789 schreibt, das der Junker Schilling in der Kottenheimer Pfarrkirche begraben liegt (vgl. Walter Lung „Ein Dorf und seine Landschaft“ - Seite 96)  

Wo auch immer er sich vor diesem Zeitpunkt befunden hat - beim Neubau der Kirche im Jahr 1856 erhielt der Epitaph auf jeden Fall seinen Platz im linken Seitenschiff der Kirche.

Dort war er über viele Jahrzehnte ein gewohnter Anblick für die Kottenheimer  Kirchenbesucher. Aber dem aufmerksamen Betrachter konnte dabei nicht entgehen, dass sich der Zustand des Epitaphs immer weiter verschlechterte. Im unteren Bereich war der Tuff bereits so durchfeuchtet, dass die im Laufe der Jahre mehrmals aufgetragene Farbe komplett abgeplatzt war und die Inschrift in diesem Bereich kaum mehr zu entziffern war. Auch in den anderen Bereichen des Epitaphs platzen immer wieder Teile der Farbe ab.

Es war also höchste Zeit zu handeln, wollte man nicht die völlige Zerstörung dieses bedeutenden Renaissance-Denkmals in Kauf nehmen.

Engagierte Kottenheimer Bürger beschlossen daher die Gründung eines Fördervereins um die benötigten Geldmittel zur Restaurierung des Epitaphs zu sammeln.

Am 29.09.2009 fand  die Gründungsversammlung des Fördervereins Junker Schilling Kottenheim statt. Die zur Vereinsgründung benötigten 7 Mitglieder trafen sich im Gasthaus „Zur Alten Post“ und verabschiedeten die ausgearbeitete Vereinssatzung.

Bereits im November 2009 bestätigte das Finanzamt Mayen dem Verein die Gemeinnützigkeit, sodass mit diesem „Siegel“ zügig mit der Werbung von weiteren Mitgliedern und der Sponsoren-Suche begonnen werden konnte.

Dies geschah unter anderem mittels Informations-Handzetteln auf deren Rückseite sich praktischerweise direkt der Mitgliedsantrag befand.

Nachdem erste Geldmittel zur Verfügung standen wurde im September 2010 Restaurator Wolfgang Kaiser aus Burgbrohl mit der Anfertigung eines „Schaden-Gutachtens“ beauftragt.

Der Untersuchungsbericht geht über 8 DIN A4 Seiten und würde den Umfang dieses Artikels sprengen, daher  sind hier nur die wichtigsten Punkte aufgeführt:

Der Gutachter stellte insgesamt 8 Farbfassungen am Epitaph fest, von denen aber keine aus der Entstehungszeit des Epitaphs stammte.

Die älteste belegbare Fassung -vermutlich aus dem 18. Jahrhundert- bestand aus einer rosa Farbschicht auf einer weißen Kalktünche. Der Epitaph war zu dem Zeitpunkt also einfarbig gefasst und wurde erst bei den späteren Fassungen immer „bunter“.

Neben den Schäden durch die untereinander anscheinend auch physikalisch und chemisch reagierenden Farbfassungen wies derEpitaph aber auch noch größere mechanische Schäden auf.

Der Epitaph war bereits früher -eventuell beim „umsetzen“-  in 3 große Stücke und dazu mehrere kleinere Einzelteile gerissen. Die Schamkapsel der Rüstung wurde irgendwann einmal  gezielt herausgeschlagen und im unteren Bereich des Epitaphs waren bis in die 1960er Jahre Metallbänder angebracht die vor der Verlegung der Eingangstüren in die Seitenschiffe den direkten Anschlag der Portaltür an den Epitaph verhindern sollten.

Wie bereits erwähnt waren zudem im unteren Drittel massive Feuchtigkeitsschäden am Epitaph zu beklagen. Das Gutachten belegte großflächige Verluste an der Steinsubstanz. Dies war insbesondere beim Vergleich von ca. 60 Jahre alten Fotos mit dem aktuellen Zustand deutlich sichtbar.

Es wurde immer klarer, dass der Epitaph unbedingt aus der Kirchenwand herausgelöst werden musste, um die weitere Feuchtigkeitsaufnahme durch die direkte Verbindung von Kirchenwand und Tuffstein zu unterbinden.

Aufgrund des Gutachtens sprach sich das Amt für kirchliche Denkmalpflege des Bistums Trier für die Entfernung aller vorhandenen Farbfassungen  aus, da keine Fassung aus der Entstehungszeit belegbar war. Das war natürlich für alle Mitglieder des Vereins erstmal ein ungewohnter Gedanke, den Junker Schilling irgendwann einmal „farblos“ wieder aufstellen zu müssen -  aber es war entschieden - der Epitaph sollte also wieder „steinsichtig“ werden.

Das war dann auch der „Startschuss“ für die weiteren Arbeiten durch den Restaurator Olaf Pung aus Thür.

Inzwischen waren weitere größere Zuschüsse – unter anderem seitens der Ortsgemeinde und der Kreissparkasse und der Volksbank eingegangen sodass der nächste Schritt der Arbeiten finanziell gesichert war

Im August 2012 löste der Restaurator mit seinen Mitarbeitern den Epitaph aus der Kirchenwand heraus und der Junker Schilling begab sich wohl zu seinem ersten „Kuraufenthalt“ in das Atelier nach Thür.

Dort wurde der Epitaph vollständig durchgetrocknet und die 3 großen Bruchstücke des Epitaphs durch Restaurator Pungwurden mittels Edelstahlankern erstmals wieder fest zusammengefügt.

Anschließend begann dann Farbrestaurator Kaiser begann mit der langwierigen Entfernung der dicken Farbschichten.

Sehr umsichtig und Stück für Stück und Schicht für Schicht wurden alle Farben mit einer sehr feinen Heißluftpistole und Skalpellen wieder abgetragen bis der Tuffstein wieder zum Vorschein kam.

Bei zwischenzeitlichen Besuchen der Vorstandsmitglieder konnte man feststellen, dass unter den Farbschichten immer mehr schöne bildhauerische Details zum Vorschein kamen, die bisher von der Farbe abgedeckt wurden.

Man war sich schnell einig – die Entscheidung den Epitaph von seiner Farbe zu „befreien“ war trotz anfänglicher Bedenken sicherlich richtig.

Nachdem Herr Kaiser seine Arbeiten beendet hatte kam erneut der Stein-Restaurator Olaf Pung zum Einsatz. Er konservierte den durch die Feuchte sehr brüchig  gewordenen unteren Bereich  des Epitaphs mit einem speziellem Harzum eine weitere Auflösung zu verhindern und nahm minimale Ergänzungsarbeiten z. Bsp.  im Bereich der zerstörten Schamkapsel , der Stundengläser und dem Zierknopf des Schulterpanzers vor.

Dem Epitaph sollte man aber sein Alter von fast 500 Jahren durchaus ansehen. Es wurde daher ausdrücklich darauf verzichtet, sämtliche mechanischen Schäden wie Ausbrüche am Tuffstein etc. zu beseitigen.

Im Dezember 2013 fand dann nochmals ein Ortstermin mit den beiden Restauratoren und den Beauftragten vom  Denkmalschutz des Bistums in der Kottenheimer Pfarrkirche statt um den endgültigen Standort des Epitaphs festzulegen. Man einigte sich letztendlich wieder auf den vorherigen Standort im hinteren linken Seitenschiff im Bereich des Glockenturms. Der Epitaph  sollte künftig nur etwas höher und in der Mitte des Gewölbebogens  angebracht werden. Um den direkten Kontakt zur Kirchenwand zu vermeiden sollte der Epitaph außerdem auf  2 eiserne Halterungen vor die Wand gesetzt werden.

Nachdem die Standortfrage somit geklärt war und die Arbeiten der Restauratoren auch kurz vor dem Abschluss standen war die Frage, ob es gelingen würde, den Epitaph bis zum 475. Todestag des Junker Schilling wieder in der Kirche präsentieren zu können.

Dies gelang tatsächlich. Am 05. März 2014 konnte der Epitaph in einer kleinen Feierstunde enthüllt und wieder in die Obhut der Kirchengemeinde übergeben werden.

Zu dieser Übergabe hatten sich Pastor Birkenheier, Bürgermeister Schüller, Mitglieder und Förderer des Fördervereins, des Pfarrgemeinderates, des Verwaltungsraters und des Gemeinderates, die beiden Restauratoren Kaiser und Pung sowie interessierte Mitbürger in der Kirche eingefunden.   

Die Sonne strahlte förmlich durch das Fenster auf den Epitaph und beleuchtete des gelungene Werk.

Mit einem Glas Sekt wurde auf den  perfekt restaurierten Epitaph angestoßen.

Natürlich wurde auch der eigentliche Zweck des Epitaphs nicht vergessen – nämlich das Gedenken an den Verstorbenen wachzuhalten. Dies geschah dann auch nochmals durch Pastor Birkenheier im Rahmen der Vorabendmesse.

Viereinhalb Jahre seit Gründung kam die Vereinsarbeitdes Fördervereins damit zu einem ersten erfolgreichen Abschluss.

Ein herzlicher Dank geht an alle Beteiligten für die sehr gute Zusammenarbeit. Und natürlich an alle Mitglieder, Spender und Förderer ohne die eine solch große und aufwändige Maßnahme finanziell nicht zu realisieren gewesen wäre.

Es bleibt die Hoffnung, dass der Epitaph auch in den kommenden Jahrhunderten in unversehrtem Zustand seinen Ehrenplatz in der Kottenheimer Pfarrkirche behalten wird und auch folgende Generationen an den Junker Konrad Schilling von Lahnstein erinnert.

 

Text & Foto: Guido Walter